
Wenn das Wetter den Dienstplan vorgibt
Die Planung für die kalte Jahreszeit beginnt bei Hessen Mobil bereits mit dem Auffüllen des Salzlagers im Frühjahr, je nach Wetterlage erfolgt ab Oktober die Umrüstung der Fahrzeuge auf glätte- und schneereiche Eventualitäten und die doppelten Dienstpläne treten in Kraft: einer für den Normalbetrieb von 7 bis 15.15 Uhr und ein zweiter, optionaler mit Drei-Schicht-Betrieb für den Fall eines angekündigten oder plötzlichen Wintereinbruchs. Von Oktober bis Ende Februar gehört parallel zur Winterbereitschaft der Gehölzschnitt zur Routine.
Wer jedoch meint, dass Eis und Schnee unter den Straßenwärtern am meisten gefürchtet sind, wird von Silvana Mäder, Leiterin der Straßenmeistereien von Borken und Schwalmstadt, und ihrem Kollegen Andreas Bechstein eines Besseren belehrt.

Leiterin der Straßenmeistereien
„Wenn wir etwas richtig gut können, dann ist es spontan zu sein!“
Silvana Mäder
„Schon seit Wochen sind wir vorbereitet, Rufbereitschaft haben wir bis 22 Uhr, um 2.15 Uhr ist bei winterlichen Straßenverhältnissen für Diensthabende der ersten Schicht die Nacht vorbei. Ein glücklicher Umstand: Die rund 50 Mitarbeiter unserer beiden Straßenmeistereien sind allesamt regional verwurzelt und können daher von jetzt auf gleich zur Stelle sein“, erklärt Silvana Mäder.
In Schwalmstadt stehen acht Fahrzeuge zur Verfügung, in Borken sieben. In höchstens 20 Minuten sind Streueinrichtungen und Schneepflug angebracht, befüllt wird mit Salz und Sole im Verhältnis drei zu eins, bereits am Vorabend oder unmittelbar vor dem Einsatz. 700 Kilometer misst die Strecke der Bundes-, Landes- und Kreisstraßen in der Zuständigkeit der beiden Straßenmeistereien, im Räumbetrieb links und rechts ist das dann mal zwei zu nehmen.
Spätestens um sechs Uhr, vor Beginn des allgemeinen Verkehrs, sind die Straßen frei und die Fahrzeuge von Hessen Mobil zurück auf den Betriebshöfen. Bei kräftigem Schneefall wird auch mal Unterstützung durch Fremdunternehmen in der Region geholt.
Silvana Mäder stellt klar: „Entscheidend ist die sorgfältige Planung im Vorfeld. Jedes Personal muss für jede mögliche Streckenplanung unterwiesen sein. Wenn beispielsweise ein Fahrzeug ausfallen sollte, existieren mehrere Routenvarianten und derjenige, der den Einsatz koordiniert, entscheidet in der Situation, welche tagesaktuell gefahren wird.“ Über Funk und GPS bleiben die Fahrer in Kontakt mit der Zentrale, über GPS lässt sich sogar exakt verfolgen, wie viel Streugut verbraucht wird. Auch mit den Polizei- und Verkehrsbehörden sind die Straßenmeistereien direkt verbunden.

Leiterin der Straßenmeistereien


Gärtner auf der Straßenmeisterei Schwalmstadt
Räumen oder schneiden ist hier die Frage
Unabhängig von Schnee und Eisglätte steht im Winter die Pflege von großem und kleinem Gehölz und Banketten entlang der Straßen an – ohne Streuer und Schneepflug auf den Lkws, dafür mit Gerätschaften zum Abtransport des Schnittgutes. Andreas Bechstein, gelernter Forstwirt und seit 31 Jahren in der Straßenmeisterei Schwalmstadt tätig, kennt „sein“ Terrain, darunter die zahlreichen Reihen alter Linden entlang der Kreisstraße Richtung Alsfeld und die Eschenalleen Richtung Knüllwald, in- und auswendig.
Sein Aufgabengebiet bei Hessen Mobil ist die regelmäßige Baumbeobachtung laut Baumkataster der Straßenmeisterei und nach Plan im belaubten und unbelaubten Zustand sowie die Koordination der Grünpflege. „Auch wir sind dem Bundesnaturschutzgesetz für Fauna und Flora und den vorgeschriebenen Schnittzeiten verpflichtet. Zwischen Oktober und Februar schneiden wir alles zurück, was Ihnen aufs Auto oder auf die Straße fallen oder sonst wie im Weg sein könnte. Die Alleenbäume erhalten ein Lichtraumprofil von viereinhalb Metern, um den Sicht- und Verkehrsraum freizuhalten. Sowieso: Einmal die Woche wird jeder Kilometer unseres Zuständigkeitsgebietes durch einen Kollegen befahren, der Straßenzustand, Leitplanken und andere Einrichtungen kontrolliert und ebenfalls einen Blick auf die Bäume hat“, führt Andreas Bechstein aus.
Etwa alle 20 Jahre werden im Rahmen der turnusmäßigen Pflege die Sträucher am Straßenrand „auf den Stock gesetzt“, das heißt radikal bis zehn oder zwanzig Zentimeter über dem Boden gekürzt, damit sie wieder neu durchtreiben und eine vitale, verkehrssichere Hecke entsteht.


Wo der Klimawandel herausfordert
Tatsächlich sind es heute statt Schnee und Eis eher Stürme und Rekordniederschläge mit Hochwasserereignissen, die durch ihre Unberechenbarkeit Straßenmeistereien an ihre Leistungs- und Planungsgrenzen bringen. Da müssen oft innerhalb kurzer Zeit mehrere Vollsperrungen eingerichtet werden und es ist schwierig, den Überblick über die Straßenlagen zu behalten. Auch übers Jahr hinweg machen der viele Regen und die Beseitigung von Folgeschäden zunehmend mehr Arbeit.
Und was ist die größte Herausforderung? Silvana Mäder antwortet prompt: „Der Verkehr! Am liebsten werden wir ja gar nicht gesehen... Aber manchmal erfordern es die Straßenverhältnisse, dass wir nicht nur frühmorgens, sondern mehrmals am Tag ausrücken, um die Straßen von Glatteis und Schnee freizuhalten. Wir wünschen uns daher im Alltag mehr Rücksichtnahme von anderen Verkehrsteilnehmern für unsere Arbeit!“


Hessen Mobil und seine Straßenmeistereien
Rund 900 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei Hessen Mobil sorgen in insgesamt 46 Straßenmeistereien dafür, dass die Bundes-, Landes- und Kreisstraßen in Hessen gut und sicher befahrbar sind.
Im Schwalm-Eder-Kreis ist dies der Job für die Straßenmeistereien Borken und Schwalmstadt. Sie sind unter anderem für das Räumen und Streuen der Straßen in der Region sowie die Pflege des Straßenbegleitgrüns beauftragt.





