Plätze, an denen die Seele auflädt
Wo ist dieser eine Ort, an dem Sie neue Energie tanken, fragten wir mit unserem Sommer-Gewinnspiel. Die Teilnahme erfolgte durch das Hochladen eines Fotos des persönlichen Lieblingsplatzes auf der Webseite der EAM und einigen beschreibenden Worten. Alle eingereichten Bilder konnten von anderen Nutzern durch einen „Energiepunkt” bewertet werden. Zehn Gewinne wurden unter den Bildern mit den meisten „Energiepunkten” verlost. Fünf weitere Gewinne wurden durch eine Jury an die aus ihrer Sicht schönsten Einreichungen vergeben. Die Bewertung erfolgte nach Kriterien wie Kreativität, Bildqualität und Originalität. Zwei der Gewinner, Erika Reitz aus Gensungen und Florian Kroh aus Vellmar, stellen wir hier vor.

Überraschung, gewonnen!
Dass ihr Sohn Jürgen sie bei der Brombeerernte im Garten fotografiert hatte, war Erika Reitz bekannt. Nicht aber, dass er den Schnappschuss in ihrem Namen bei dem Sommer-Gewinnspiel der EAM eingereicht hatte und man sie über Wochen hinweg auf der dementsprechenden Webseite sehen konnte. Hätte sie es ihm erlaubt? Naja, vielleicht... Aber dann kam die E-Mail der EAM, mit der die Aktion aufflog: Das Foto hatte einen von fünf Preisen gewonnen, einen Pizzaofen. Dazu erhielt sie wenige Tage später die persönliche Bitte, sie und ihren Garten im EAM-Magazin vorstellen zu dürfen.
So tummeln wir uns also an einem sonnigen Septembervormittag im Garten von Erika Reitz in Gensungen, fachsimpeln mit ihr über Obstsorten und Gartenpflege und bewundern ihren grünen Daumen und ihre Fitness. Bis auf ein paar Nachzügler sind die geernteten Brombeeren genauso wie Himbeeren inzwischen in die Tiefkühltruhe gewandert oder zu Marmelade verarbeitet, die Zweige der Sträucher hat die Seniorin routiniert gekürzt. Auch die zuckersüßen Früchte des Pfirsichbaums, von denen dieser mehr als genug trug, warten nun eigenhändig geschält, halbiert und in Einmachgläsern konserviert auf Abnehmer.

„Die Steine lasse ich teilweise drin, wegen des Aromas, das ist Absicht.“
Erika Reitz
Das erklärt Erika Reitz, nachdem sie vier Gläser für uns zum Mitnehmen aus dem Keller geholt hat. Ihre Kiwis gedeihen hier in Gensungen selbst unter nordhessischen Klimabedingungen, aktuell brauchen sie allerdings noch eine Weile. Dafür leuchten die roten Backen der Alkmene umso kräftiger, ein zweiter Apfelbaum ist schwer mit großen, saftigen Jonagold behangen. „Die eignen sich prima, um sie übern Winter im Keller zu lagern. Aber probieren Sie doch mal die Alkmene: Die Schale ist etwas hart, aber innen sind die kleinen Äpfel besonders süß. Wenn die Kerne braun sind, sind sie reif“, lädt Erika Reitz uns zum Naschen ein und beißt selbst herzhaft in eines der knackigen Exemplare.

Wie die Zeit so spielt, haben Haus und Garten in den vergangenen Jahrzehnten einiges an Veränderungen erfahren. Die Laube ist größer geworden, auch das Haus erhielt einen Anbau, ein alter Pflaumenbaum musste gefällt werden. Jürgen Reitz erinnert sich an Foto von sich als neunjährigem Steppke, der mit Mörtel und Schubkarre tatkräftig den Vater unterstützt: „Hier ist nichts, was mein verstorbener Vater nicht selbst gebaut hat.“ Die Beete mit Bohnen, Kartoffeln und anderem Gemüse sind seit Längerem einer Grünfläche gewichen, auf der Monty, der Mähroboter, zur großen Freude der Seniorin jetzt montags, mittwochs und freitags, immer von acht bis achtzehn Uhr und lediglich unterbrochen von Aufladepausen, fleißig seine Runden dreht.
Meist sitzt sie dann an ihrem Lieblingsplatz in der Laube, mal auf dem Gartensessel rechts, mal auf einem anderen, je nachdem, wo die Sonne gerade steht und wie der Wind weht, und schaut Monty bei der Arbeit zu. 90 Jahre alt ist Erika Reitz diesen Sommer geworden und gefühlt auf diesem glücklichen Fleckchen Erde schon immer zuhause – tatsächlich seit sie mit 22 Jahren ihren Mann heiratete und von Felsberg über die Eder hierher in den Ortsteil Gensungen zog. An ihrem Lieblingsplatz möchte sie gemeinsam mit ihrem Sohn demnächst auch ihren neuen Pizzaofen testen.

Lieblingsplatz? Feuerwehr!

Einer, der vor einem Feuerwehrauto posiert, sticht bei einem Gewinnspiel, das vornehmlich Sommermotive im Sinn hat, natürlich sofort ins Auge – so auch der Jury zur Auswahl der Preisträgerinnen und -träger. Weil wir für unser EAM-Magazin die ganze Geschichte erfahren möchten, verabreden wir uns mit Florian Kroh dort, wo das Selbstporträt entstanden ist, bei der Freiwilligen Feuerwehr in Vellmar. Der frisch gebackene Feuerwehrmann führt uns durch die Fahrzeughallen, zeigt uns das wertvolle Innenleben der Löschfahrzeuge, die Umkleiden und den Aufenthaltsraum. Nebenbei lernen wir, wie wichtig ein strukturiertes Anziehen der Feuerwehrkluft ist, wenn es beim Einsatz auf Minuten ankommt.
Seit dem 1. April 2025 ist Florian Kroh bei der Freiwilligen Feuerwehr in Vellmar, im September hat er den Grundlehrgang abgeschlossen, vor Kurzem hatte er seinen ersten Löscheinsatz bei einem Gebäudebrand. „Ich hätte nicht gedacht, dass die Feuerwehr eine Sache ist, die einen so schnell so stolz macht!“, sagt er. Dabei hat es durchaus eine Weile gedauert, bis der IT-Administrator, der er beruflich ist, Feuer gefangen hat.
„Ich hätte nicht gedacht, dass die Feuerwehr eine Sache ist, die einen so schnell so stolz macht!“
Florian Kroh

Auf leiser Flamme begonnen hat es vor drei Jahren, als es im Carport eines Nachbarn brannte. Florian Kroh hatte zunächst selbst versucht, das Feuer einzudämmen, bis die Vellmarer Feuerwehr kam. Überraschenderweise war unter den Feuerwehrleuten ein Arbeitskollege, der sich nach getaner Löscharbeit mit den Worten „Wir sehen uns Dienstag beim Übungsdienst!“ verabschiedete. „Ich bin nicht hingegangen, aber der Kollege hat nie aufgegeben“, fährt Kroh fort. „Im März lud er mich mitsamt meiner Kamera und der Drohne wieder zum Übungsabend ein – ohne vorher zu verraten, dass das ganz großes Kino werden würde mit einem kompletten Löschzug, einer Drehleiter, Disco-Nebel, Dummys und einer Einsatzleitung in einem leerstehenden Haus. Es wurde dunkel und gab ein fantastisches Licht. Das Dokumentieren dieses Echt-Szenarios hat richtig Spaß gemacht und danach nahmen sie mich mit hierher zum Essen.“


Den Aufnahmeantrag, der ihm anschließend mitgegeben wurde, hat er dieses Mal gerne unterschrieben. Heute beherrscht er das Regelwerk der Feuerwehr aus dem Effeff und was sich wie und wo im und am Fahrzeug befindet, kennt er im Schlaf. Die ungeraden Monate ist er für den Bereitschaftsdienst der insgesamt 60-köpfigen Einsatztruppe der Freiwilligen Feuerwehr eingeteilt: „Das Wichtigste ist, man macht nichts alleine bei der Feuerwehr. Man ist immer zu zweit unterwegs, im sogenannten Trupp. So hat man gerade als Anfänger oder Neueinsteiger jederzeit jemanden Erfahrenen bei sich. Wenn man die Einsätze betrachtet, ist das Löschen allerdings der kleinste Teil. Personen in Notlagen zu helfen, ist schon ein sehr großes Thema – so groß wie das Danke, das man hinterher dafür erntet.“
Seinen Sohn hat der Feuerwehrmann mit seiner Begeisterung längst angesteckt, einmal wöchentlich darf der Fünfjährige den Papa ins Feuerwehrhaus Vellmar begleiten. Gemeinsam inspizieren sie jedes Fahrzeug und bei der Kinderfeuerwehr steht Ben schon auf der Warteliste. Was hat Florian Kroh zur Teilnahme am Wettbewerb bewogen, wollen wir wissen. In diesem Fall musste er nicht lange überlegen. Das Foto hatte er bereits bei einer anderen Gelegenheit geschossen und die Freude über sein neues, spannendes Betätigungsfeld wollte er gerne allen mitteilen. Unsere Aufmerksamkeit und den Preis über 1.000 Kilowattstunden Strom hat der Hobbyfotograf damit gewonnen. Wegen der Photovoltaikanlage auf dem Dach des Privathauses decken diese sogar nahezu den Jahresbedarf seiner kleinen Familie.




