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Porträt eines fußball­begeisterten Organisationstalents

Obwohl Tino Hölzer Ende vergangenen Jahres seine Trainer­tätigkeit beim JFC Ludwigsau an den Nagel gehängt hat, ist er doch fast jeden Tag auf dem Sport­platz in Meckbach anzutreffen. Für ihn gibt es dort immer etwas zu tun, sei es die Rasen­pflege, den Platz ab­zu­kreiden, Tore zu schleppen, Getränke­kisten ein­zu­räumen, das nächste Fest auf die Beine zu stellen, einen Aus­flug mit den Bambinis vor­zu­bereiten – oder wie in diesem Sommer, den Aus­tausch mit der Fuß­ball­jugend aus der Partner­gemeinde Changé in Frank­reich zu organisieren. Bei der Gründung „seines“ Vereins damals vor 13 Jahren war er federführend. Das verbindet.

Angefangen hatte alles mit seinem fünf­jährigen Sprössling, der wie andere Jungs in seinem Alter Fuß­ball spielen wollte und der außer einem Rasen auch jemanden brauchte, der ihm etwas bei­brachte. Das Training über­nahmen also Tino Hölzer und zwei, drei weitere Väter, die selbst einmal in ihren jungen Jahren Fuß­baller gewesen waren. Nach zahl­reichen Jahren loser Spiel­gemein­schaft war 2012 dann die Zeit reif für einen eigen­stän­digen Verein, den Jugend­fuß­ball­club (JFC) Lud­wigsau, der aus­schließlich den Kinder- und Jugend­fuß­ball als Vereins­zweck hat. „Damals hatten wir ungefähr 36 Kinder, jetzt sind es hundert und fünf­zehn ehren­amtliche Trainer – inklusive meinem Sohn – und eine Trainerin. Es hat sich also gut ent­wickelt“, bekräftigt Tino Hölzer. „Seit neun Jahren haben wir außer­dem einen frucht­baren fuß­ballerischen Aus­tausch mit unserer französischen Partner­ge­meinde Changé, einer Klein­stadt im Speck­gürtel von Le Mans.“ Die Städte­partner­schaft besteht seit 1997 und ist auf viele enga­gierte Bür­ger­innen und Bürger sowie Viktor Launay aus Changé zurück­zuführen, der nach Kriegs­ende mit seiner Musik­kapelle „La Renaissance“ den Ludwigauer Orts­teil Mecklar besucht hat, wo er als Kriegs­gefange­ner als Land­wirt­schafts­helfer auf einem Bauern­hof ge­arbeitet hatte – offen­sicht­lich mit guten Erinne­rungen.

Trainer sitz auf Treppen

„Die französische Gemeinde ist auf mich zu­ge­kommen und hat ge­fragt, ob wir diese Partner­schaft auch mit Fuß­ball be­le­ben wollten. Da ich ständig offen­siv an solchen Pro­jekten inte­ressiert bin, habe ich die da­ma­lige Jugend­mann­schaft meines Sohnes zu­sammen­ge­trommelt, einen Bus ge­chartert und bin mit 20 Kindern und 30 Eltern für ein ver­längertes Wochen­ende nach Changé ge­fahren. Jeweils zwei Kinder wurden in einer fran­zö­sischen Gast­familie ein­quartiert, die Eltern hatten eigene Partner­familien. Wenn um­ge­kehrt die Franzosen uns besuchen, läuft es genauso.“ Denn aus dem ersten Besuch bei dem fran­zö­sischen Fuß­ball­verein CS Changé wurde eine jährliche Be­gegnung, die seit­dem in den beiden Ge­mein­den ab­wechselnd statt­findet. Sport­licher Höhe­punkt ist das Turnier, bei dem deutsche und französische Kinder aller Alters­klassen in ge­mischten Mann­schaften gegen­einander an­treten. „Unser Ver­ein ist zwar wesentlich kleiner, aber wir sind eben charmant und des­wegen finden die uns gut. Das hat sich bis heute ge­halten und es sind jede Menge Freund­schaften ent­standen“, meint Initiator Tino Hölzer. Und er wäre nicht das Or­ga­ni­sa­tions­talent, für das er be­kannt ist, würde er dieses für Lud­wigs­auer Ver­hält­nisse schon ziemlich große Fuß­ball-Ereignis nicht noch ein­mal über­treffen wollen: In diesem Som­mer buchte er ex­klu­siv für alle am Aus­tausch teil­nehmenden 45 Kinder (30 Franzosen, 15 Deutsche) den Jugend­hof in Roten­burg an der Ful­da, er selbst und sechs Trainer waren als Auf­sichten dabei. „Ich habe selten so wenig ge­schla­fen an einem Wochen­ende“, gesteht der unter­nehmungs­lustige Vereins­mann frei­mütig. „Aber für die Ge­mein­schaft war es wirklich super. Wir hatten ein schönes Drei-Tage-Pro­gramm mit einem Tag des Fuß­balls bei uns auf dem Sport­platz, einer Wan­derung zum Storchen­see und an­schlie­ßen­der Floß­fahrt auf der Fulda sowie einer Über­querung des Highwalks in Rotenburg.“ 

Zur Krönung des Ganzen reichte Tino Hölzer das Pro­jekt beim dies­jährigen Vereins­wett­bewerb von der EAM und dem Hessischem Fuß­ball­ver­band (HFV) ein, wo der JFC Lud­wigsau den ersten Preis für seine am­bi­tio­nierte und kreative Jugend­arbeit ein­heimste. „Die Ge­winne sind die beste Vor­be­reitung für nächstes Jahr in Changé, vier Mini-Tore und ein Teil­nahme­gut­schein fürs Kinder­trainer-Zertifikat“, freut er sich und er­läutert die Hinter­gründe: „Der DFB vertritt seit einigen Jahren eine neue Trainings- und Spiel­phi­lo­sophie für Nach­wuchs­kicker – mit einem kleinen Spiel­feld und vier kleinen Toren sowie Mann­schaf­ten von drei oder vier Kindern. Weil die Kinder so viel mehr Ball­kontakte haben, ent­wickeln sie sich viel, viel schneller. Und in der kom­pri­mierten, ganz spe­zi­fischen Kinder­trainer-Aus­bildung lernst du, wie man die Kids motiviert und wo­rauf es an­kommt im Training, damit es Spaß macht. Ein Groß­teil unserer Trainer­innen und Trainer hat das Zertifikat schon in der Tasche.“

„Mein Credo ist, dass ich ihnen einfach bestmögliche Bedingungen geben möchte.“

Tino Hölzer

Seine eigene, immerhin 15-jährige Trainer­tätigkeit be­en­dete Tino Hölzer, als sein Sohn Fuß­ball-Senior wurde: „Den Bam­binis hatte ich da­mals verspro­chen, dass ich auf jeden Fall so lange am Ball bleibe, bis der Jahrgang bei den Senioren spielt – und Ver­sprech­en sind nun mal Ehren­sache. Aller­dings kann ich es ja auch nicht ganz sein lassen. Bei unserer Senioren­mann­schaft bin ich noch so ein bisschen im sportlichen Management engagiert...“

Kreative Jugendarbeit im Verein – EAM und Hessischer Fußballbund HFV vergaben tolle Preise

Zusammen mit dem HFV unterstützen wir mit einem Wett­bewerb jedes Jahr die Sportvereine in unserem Geschäfts­gebiet in Nord- und Mittel­hessen. Ehren­amt­liches En­ga­gement (für jeden Verein un­ver­zicht­bar!), soziales Mit­ein­ander und nach­haltiges Han­deln sollen damit ge­stärkt und honoriert werden.  „Kreative Jugend­arbeit im Verein“ lautete das Wett­be­werbs­thema 2025. Der JFC Lud­wigs­au ge­wann den ersten Preis für die beste Idee und damit einen Gut­schein zur Teil­nahme am Kinder-Trainer­zer­tifikat plus vier Mini-Tore. Einen wei­teren Gut­schein und das Vierer-Set Mini-Tore, Aus­rüs­tungen fürs Ko­or­di­na­tions­training sowie original Derby­star-Bälle für den Trainings­betrieb gingen an den JSG Rheinhards­hagen/Bona­forth, den TSV 1900 Wa­bern, den TSV 08 Maden e.V. und SSV Oranien Frohnhausen. 

Im nächsten Jahr werden wir die Ver­eine wieder fragen: „Wer ist euer 12. Mann?“ ­­– mitmachen lohnt sich!