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Wildecker Stromnetz in einer Hand

Wenn Tobias Bornschier auf die vergangenen Jahre zurückblickt, dann ist er auch ein bisschen stolz. Der 41-Jährige leitet die Zentral- und Finanzabteilung der Gemeinde Wildeck im Landkreis Hersfeld-Rotenburg und ist zusätzlich als Leiter für die örtlichen Gemeindewerke zuständig. Und die verantworteten seit mehreren Jahrzehnten erfolgreich ein eigenes Stromnetz im Wildecker Ortsteil Obersuhl. Stetig steigender Wettbewerbsdruck und eine immer komplexer werdende Regulierung führten jedoch dazu, dass die Gemeinde im vergangenen Jahr einen zuverlässigen Käufer für ihr Stromnetz suchte. Die Wahl fiel schließlich auf die EAM, mit der die Gemeinde bereits seit dem letzten Jahrhundert partnerschaftlich eng verbunden ist und die in Wildeck auch das Gasnetz besitzt und betreibt.  

Rund 1.500 Haushalte sind an das Stromnetz in Obersuhl angeschlossen, etwa zwei Drittel von ihnen wurden zudem bis Ende März dieses Jahres mit einem eigenen Vertrieb von den Gemeindewerken mit Strom beliefert.

„Die Anforderungen sind in den vergangenen Jahren aber immer weiter gestiegen und ließen sich nur noch sehr schwer erfüllen. Ob Messwesen, die Umsetzung der Energiewende oder diverse Fristen am Markt – in der heutigen Zeit ist es zunehmend komplexer und schwieriger, als kleine Kommune ein eigenes Netz zu betreiben.“

Tobias Bornschier, Leiter der Gemeindewerke Wildeck

Tobias Bornschier

Aus diesem Grund entschied sich die Gemeinde, ihr Stromnetz zum 1. Januar 2026 an die EAM zu verkaufen, die bereits seit vielen Jahren Eigentümerin der Stromnetze in den weiteren Wildecker Ortsteilen Bosserode, Hönebach, Raßdorf und Richelsdorf ist. „Darüber hinaus war die EAM bereits seit 1990 für die technische Betriebsführung des Stromnetzes in Obersuhl verantwortlich“, erklärt Maria Bax, die als Leiterin des EAM-Regionalzentrums Mitte in den Integrationsprozess eingebunden war.

Maria Bax

„Neben dem Betrieb unserer eigenen Netze übernehmen wir aktuell für 26 partnerschaftlich verbundene Energieversorger und größere Unternehmen die Betriebsführung und technische Dienstleistungen wie zum Beispiel Störungsannahmen im Strom-, Gas- und Wasserbereich.“

Maria Bax, Leiterin des EAM-Regionalzentrums Mitte

Zwei Männer sitzen lächelnd an einem Besprechungstisch und betrachten gemeinsam einen großen Plan; auf dem Tisch stehen Tassen und Gläser.

„Durch unsere jahrzehntelange Kooperation und Verbundenheit mit der Gemeinde Wildeck verlief die Integration des Obersuhler Netzes in unser Stromnetz nahezu reibungslos. Die Überführung aller Daten und Zähler in unser System hat den Netzbetrieb für uns in Obersuhl nun sogar einfacher gemacht, die Prozesse sind schlanker geworden. Jetzt haben wir das gesamte Stromnetz in Wildeck in einer Hand und profitieren von einheitlicheren Prozessen.“

Torsten Schade, Leiter des EAM-Regioteams Bebra

Torsten Schade

Die Gemeindewerke hingegen beschäftigen kein eigenes Personal, alle anfallenden Aufgaben werden täglich von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Gemeindeverwaltung übernommen. Diese können sich nun nach dem Netzübergang verstärkt auf ihre weiteren Verwaltungsaufgaben konzentrieren – ein Gewinn somit für die EAM, die Gemeinde und die Kunden in Obersuhl, die nun von günstigen Netzentgelten profitieren. Aber natürlich gibt es bei den Gemeindewerken auch zukünftig noch viel zu tun: Nach wie vor sind sie für die Wasserver- und Abwasserentsorgung, das örtliche Freibad und ein Seniorenheim zuständig.

Ein EAM-Mitarbeiter in gelber Warnschutzjacke arbeitet an einer geöffneten technischen Anlage; links im Vordergrund sind unscharf Stromzähler zu sehen.
Zwei Männer stehen lachend vor dem Eingang eines Rathauses; einer hält zusammengerollte Pläne in der Hand.

Dass die Zusammenarbeit so partnerschaftlich weitergeht wie in der Vergangenheit, davon sind EAM und Gemeinde gleichermaßen überzeugt. „Wir werden die Qualität des Netzbetriebes genauso hoch halten wie früher und das Stromnetz fit für die Energiewende machen“, verspricht Torsten Schade. „Wir arbeiten weiter Hand in Hand, daran wird sich nichts ändern.“ Das bestätigt auch Alexander Gießler. Der 33-Jährige ist Regiomeister im Regioteam Bebra und seit Mai vergangenen Jahres direkt für das Stromnetz in Wildeck zuständig. Seine Tätigkeiten umfassen allein im Ortsteil Obersuhl die Wartung und Instandhaltung von 15 Trafostationen, etwa 55 Kabelverteilerschränken, zehn Kilometern Mittelspannungs- und 47 Kilometern Niederspannungskabel sowie des rund 30 Kilometer langen Straßenbeleuchtungsnetzes. Und natürlich auch die Planung von Baumaßnahmen und den Ausbau der Energieversorgungsanlagen für die Umsetzung der regionalen Energiewende. 

Alexander Gießler

„Wir hatten schon immer einen sehr guten Austausch mit der Gemeinde. Auch wenn das Stromnetz und der Messstellenbetrieb jetzt über die EAM läuft, haben wir die gleichen kurzen Wege und regelmäßige Abstimmungen mit unseren kommunalen Ansprechpartnern wie früher.“

Alexander Gießler, Regiomeister im EAM-Regioteam Bebra

Drei Männer stehen neben einer technischen Anlage im Freien und betrachten gemeinsam einen großen Plan; im Hintergrund ist ein Straßenschild mit der Aufschrift „Goethestr.“ zu sehen.

Auch die rund 1.000 Vertriebskunden, die bis zum März noch von den Gemeindewerken in Wildeck mit Strom beliefert wurden, haben sich mittlerweile einen neuen Lieferanten gesucht. Ein Großteil davon hat sich für die EAM entschieden und bezieht nun reinen Ökostrom zu günstigen Preisen vom kommunalen Energiepartner der Region. „Die meisten unserer früheren Stromkunden sind vor allem heimatverbunden und wollten ihren Versorger vor Ort stärken“, erklärt Tobias Bornschier. „Mit der EAM können sie sich weiterhin für einen lokalen Versorger entscheiden, der die Region unterstützt und die Wertschöpfung hier vor Ort hält. Das war uns von Beginn an wichtig.“