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Wachstumsprogramm, Rekordinvestitionen und stetiger Ausbau der erneuerbaren Energien – auch im vergangenen Jahr hat sich die EAM trotz teils schwieriger Rahmenbedingungen nicht von ihrem konsequent nachhaltigen Kurs abbringen lassen. Wir sprachen mit den beiden Geschäftsführern Olaf Kieser und Hans-Hinrich Schriever über aktuelle Chancen und Herausforderungen der EAM im Kontext von Klimawandel, Energiewende und einer zuverlässigen Versorgungssicherheit als Partner der Energiewende in der Region.

Portrait eines lächelnden Mannes in einem Anzug, mit kurzem, grau-braunem Haar und hellblauer Hemd.
Olaf Kieser

Herr Kieser, im vergangenen Jahr sind in Deutschland so viele neue Photovoltaik-Anlagen zur Strom- und Wärmeerzeugung errichtet worden wie nie zuvor. Trifft diese Entwicklung auch auf die EAM zu?

Olaf Kieser: Um Deutschland unabhängig von den fossilen Energieträgern Öl, Gas und Kohle zu machen und dem Klimawandel entgegenzuwirken, brauchen wir einen deutlich beschleunigten Ausbau der erneuerbaren Energien. Daran führt kein Weg vorbei, wenn wir die ehrgeizigen Klimaschutzziele der Bundesregierung erreichen wollen. Bei immer mehr Menschen findet ein stärkeres Umdenken statt hin zu einer nachhaltigeren und klimaschonenderen Lebensweise. Stetig steigende Energiepreise tragen zusätzlich dazu bei, dass viele eine möglichst unabhängige und umweltverträgliche Energieversorgung anstreben. Genau das erleben wir auch bei der EAM – im vergangenen Jahr haben wir bei den Anschlüssen von EEG-Anlagen einen regelrechten Boom erlebt.

Herr Schriever, was bedeutet das konkret in Zahlen? 

Hans-Hinrich Schriever: 2023 haben sich die Anschlussanfragen für EEG-Anlagen in unserem Netzgebiet im Vergleich zum Vorjahreswert fast verdoppelt. Allein im vergangenen Jahr wurden bei uns knapp 22.000 EEG-Anlagen neu angemeldet, die Energie für den Eigenbedarf erzeugen oder den erzeugten Strom in unser Netz einspeisen. Das war ein absoluter Rekordwert in unserer Unternehmensgeschichte. Und für dieses Jahr rechnen wir mit einer weiteren Steigerung der Anschlussanfragen. Aktuell sind bereits mehr als 76.000 EEG-Anlagen an das Netz der EAM angeschlossen. Das ist in Bezug auf die Ziele der Energiewende natürlich ein sehr erfreulicher Trend. Es stellt uns als Netzbetreiber aber auch vor große Herausforderungen. Als Partner der Energiewende in der Region sind wir mehr gefordert als jemals zuvor.

Was genau meinen Sie damit?

Hans-Hinrich Schriever: Die beispiellos große Zahl von EEG-Anmeldungen fordert unsere EEG-Teams sehr stark – insbesondere im Hinblick auf die erforderliche technische Prüfung der Anschlussmöglichkeit. Wir verstärken dafür schon seit geraumer Zeit unsere EEG-Teams personell und optimieren kontinuierlich unsere Prozessabläufe. Beispielweise entwickeln wir derzeit eine automatisierte Netzberechnung, um die Bearbeitung bei den Anschlüssen von EEG-Anlagen zukünftig deutlich zu beschleunigen. Für den stetigen Ausbau der erneuerbaren Energien benötigen wir zudem die passende Infrastruktur. Die Stromnetze sind das Rückgrat der Energiewende. Um die Energiewende umsetzen zu können, sind massive Investitionen in die Netze erforderlich. 

Olaf Kieser: Durch den beschleunigten Ausbau der erneuerbaren Energien müssen wir den Netzausbau entsprechend schneller gestalten. Das ist mit sehr hohen Kosten für eine effiziente und intelligente Netzinfrastruktur verbunden. Im vergangenen Jahr hat die EAM-Gruppe insgesamt 130 Millionen Euro investiert. Auch das war ein neuer Rekordwert. Drei Viertel davon sind für den Ausbau und den Erhalt in die Energienetze geflossen. Und in diesem Jahr planen wir Investitionen von rund 185 Millionen Euro – von denen ein wesentlicher Anteil in die Energiewende fließen wird.
 

 

Zwei Männer in Anzügen stehen auf einer Treppe in einem modernen Gebäude, lächelnd und professionell.
Porträt eines lächelnden Mannes mit Brille, in Anzug, vor verschwommenem Hintergrund.
Hans-Hinrich Schriever

Was bedeutet das für die Energieversorgung in der Region? Ist sie nicht mehr so sicher wie bisher, müssen wir vermehrt mit Engpässen und Problemen rechnen? 

Hans-Hinrich Schriever: Nein, ganz im Gegenteil! Wie in den Jahren zuvor haben unsere privaten und gewerblichen Netzkunden erneut von einer überdurchschnittlichen hohen Versorgungsqualität profitiert. Laut Statistik der Bundesnetzagentur belegt die EAM bei der Versorgungssicherheit erneut einen Spitzenplatz unter allen deutschen Netzbetreibern. Die statistische Ausfallzeit in unserem Stromnetz lag im vergangenen Jahr mit 9,8 Minuten um rund 20 Prozent unter dem bundesweiten Durchschnitt.

Olaf Kieser: Unser Anspruch ist es, uns durch gründliche und strukturierte Analysen bestmöglich auf zukünftige Themen vorzubereiten. Sei es im Netz oder in den anderen relevanten Bereichen wie der Erzeugung und Speicherung von Energie. Dafür haben wir einen umfassenden Foresighting-Prozess etabliert, der mögliche Veränderungen frühzeitig aufzeigt und entsprechende Chancen und Herausforderungen identifiziert. Wir setzen auf Perspektivenvielfalt und öffnen unsere Innovationsprozesse gezielt auch für Wissen von außen. In diesem Jahr haben wir erstmals das TOP 100-Siegel 2024 der compamedia GmbH erhalten. Mit dem Siegel werden besonders innovative Unternehmen in Deutschland ausgezeichnet. Die Auszeichnung hat uns zusätzlich bestätigt, dass wir vor drei Jahren den richtigen Weg eingeschlagen haben, als wir unseren strategischen Kurs geschärft und dabei den Themen Nachhaltigkeit und Innovationskraft eine besondere Rolle zugewiesen haben. 

Wie nehmen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter den neuen strategischen Kurs der EAM wahr?

Hans-Hinrich Schriever: Absolut positiv! Unsere Kolleginnen und Kollegen tragen unseren nachhaltigen Kurs mit und sind sehr motiviert, intensiv mit uns an einer CO2-freien Zukunft zu arbeiten. Immer mehr Menschen haben Interesse, bei dieser gesellschaftlich hoch relevanten Aufgabe mitzuwirken. In den vergangenen zwei Jahren konnten wir insgesamt mehr als 300 neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einstellen, die sich mit unseren Zielen identifizieren und für die das Thema Nachhaltigkeit auch im Beruf eine Rolle spielt. Für die besondere Qualität unserer Ausbildung wurden wir kürzlich zum sechsten Mal in Folge mit dem Titel „Deutschlands beste Ausbildungsbetriebe“ von Focus Money ausgezeichnet. Mit 100 von 100 möglichen Punkten hat unser Unternehmen dabei den ersten Platz unter allen Teilnehmern in der Branche „Energieversorger regional“ belegt. All das zeigt: Die EAM ist weiterhin erfolgreich auf Wachstumskurs, um die Energiewende in der Region professionell zu gestalten und umzusetzen. 

Sie sagten eingangs, immer mehr Menschen strebten eine umweltverträgliche Energieversorgung an. Was unternimmt die EAM beim Ausbau der erneuerbaren Energien? 

Olaf Kieser: Ein ganz wichtiger Punkt ist hier die Windenergie. Wir betreiben eigene Windkraftanlagen und unterstützen Städte und Gemeinden bei der Planung und Umsetzung von Windenergieprojekten. Im vergangenen Jahr haben wir die Baugenehmigung für die Errichtung von zwei Windenergieanlagen nahe der Stadt Liebenau im Landkreis Kassel erhalten. Die Anlagen werden wir voraussichtlich Ende dieses Jahres in Betrieb nehmen und werden über einen Zeitraum von mindestens 20 Jahren pro Jahr rund 24 Millionen Kilowattstunden Strom erzeugen. Damit lassen sich rund 8.000 Haushalte mit umweltfreundlich erzeugter Energie versorgen. Für dieses Jahr erwarten wir die Genehmigung für den Bau von jeweils vier Windkraftanlagen zwischen Stadtallendorf und Neustadt sowie in der Gemeinde Angelburg, beides im Landkreis Marburg-Biedenkopf. Weitere Projekte sind in Planung.

Mit der EnergiewendePartner GmbH (EWP) unterstützt die EAM Städte und Gemeinden bei der Entwicklung und der Umsetzung maßgeschneiderter Energiewendekonzepte. Wie geht es hier voran?

Olaf Kieser: Auch hier sind wir auf einem guten Weg, die Entwicklung ist wirklich sehr erfreulich. Mittlerweile haben bereits mehr als 30 Kommunen und zwei Landkreise beschlossen, der EWP beizutreten. Jede Stadt oder Gemeinde erhält ein eigenes, individuell für sie ausgearbeitetes Energiewendekonzept. Der Fokus liegt auf einem ganzheitlichen Ansatz mit einer klaren Ausrichtung auf CO2-Reduktion bzw. CO2-freie Lösungen. 

Zwei Männer in Anzug, lächelnd, gehen auf einem begrünte Fläche spazieren, umgeben von Bäumen und einer modernen Architektur.

Die EAM hat sich in der Vergangenheit auch sehr stark im Bereich der Elektromobilität engagiert. 

Hans-Hinrich Schriever: Wir haben seit Anfang 2023 an verschiedenen Standorten in unserem Netzgebiet 28 moderne Hochleistungs-Schnellladesäulen aufgestellt, beispielsweise in Lohfelden, Hessisch Lichtenau, Lollar und Weimar. Insgesamt haben wir im vergangenen Jahr 86 neue öffentliche Ladepunkte errichtet. Auch an unserem Unternehmenssitz in Kassel und mehreren Standorten haben wir unsere Infrastruktur erweitert – allein hier stehen unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern jetzt mehr als 150 Lademöglichkeiten zur Verfügung. Den Ausbau öffentlicher Ladesäulen werden wir auch in diesem Jahr vorantreiben.

Olaf Kieser: Darüber hinaus werden wir in Kürze eine eigene EAM-Lade-App auf den Markt bringen. Damit können Kunden beim „elektrischen Tanken“ von attraktiven Tarifen an den EAM-Ladesäulen und weiteren spannenden Angeboten profitieren. Die App wird so entwickelt, dass sie zukünftig auch in ganz Europa genutzt werden kann.

Das Klimaschutzgesetz zielt auf die Treibhausgasneutralität Deutschlands bis 2045 ab. Wie wird das gelingen?

Olaf Kieser: Die Energiewende ist eine gesellschaftliche Herkulesaufgabe, die sehr viele unterschiedliche Bereiche betrifft. Sie erfordert einen enormen Umbau unserer Energieversorgung und einen deutlich schnelleren Ausbau der erneuerbaren Energien. Vor allem aber ist es wichtig, dass wir die Herausforderungen gemeinsam und partnerschaftlich im Verbund mit Kommunen, Landkreisen, Energiegenossenschaften und regionalen Stadtwerken anpacken. 

Hans-Hinrich Schriever: Für die Umsetzung der Energiewende werden wir bei der EAM weitere Ressourcen und zusätzliche Kompetenzen aufbauen. Zugleich bietet sich hier für uns die große Chance, eine Vorreiterrolle einzunehmen. Als innovativer Energieversorger sind wir überzeugt, dass die Energiewende gelingen wird!

Vielen Dank für das Gespräch.

Zwei Männer in formeller Kleidung lächeln und stehen in einem modernen Innenraum mit Holz- und Steinelementen.