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Wir treffen Timo Israng alias Dark Vatter in seinem „Herrensalong“, Erwachsenenwohnzimmer und Studio der Gruppe. Er ist der „Vatter“ der fünfköpfigen Combo und stellt klar: Mit Nostalgie und Volkstümelei hat seine regional verbundene Straßenpoesie nichts am Cowboy-Hut.

eam magazin: Warum passt eure Mischung aus Country-Blues und wüstem Rock’n’Roll so gut hierher?

Dark Vatter Ich bin ein großer Rockabilly-Fan schon seit Ende der 90er und dann kam der Gedanke, das auf Nordhessisch zu machen – die Geschichte geht eher so herum. Ich habe nicht die Musik ausgewählt, weil sie so gut zu Nordhessen passt, sondern ich singe Mundart mit der Musik, die ich mag, und habe festgestellt, dass die raubeinige Art und ruckelige Ausdrucksweise, die typisch für die Region ist, sehr gut zu diesem Cowboysound passt.

Eine der Besonderheiten der nordhessischen Mundart ist ja, dass man sie in Reinform nur selten zu hören bekommt. Wie also eignet man sich einen Dialekt an, den eigentlich keiner mehr spricht? 

Ein bisschen war noch da aus meiner Kindheit. Tante und Onkel waren in Sachen Mundart engagiert und bei Geburtstagsfeiern wurden Gedichte auf Nordhessisch vorgelesen. Das hat natürlich nicht gereicht, um damit Lieder zu schreiben. Ich habe mir eine Sammlung an Mundartliteratur auf Flohmärkten gekauft, aus verschiedenen Epochen, aus den 30er, 50er Jahren und 70er Jahre – Bücher und Gedichtbände. Die habe ich mir laut vorgelesen, um zu verstehen, was da steht. Das großartige Wörterbuch von Axel Herwig hilft mir heute noch. Der gebürtige Kasseläner hat in den 70er und 80er Jahren Musik und Theaterstücke gemacht, eine Handvoll Bücher geschrieben, ein Lexikon und Gedichte verfasst – alles in Mundart. Von ihm stammt auch „Geschimbed is norr lange nidd geschlohn“ [Geschimpft ist noch lange nicht geschlagen], eine tolle, absurde Schimpfwortsammlung. 

Verstehst du dich als Botschafter für diesen Dialekt? Geht aus der Mundart eine besondere Heimatverbundenheit und Nähe hervor?

Dark Vatter un sinne Combo macht keine Früher-war-alles-besser-Musik, wir sind auch nicht nostalgisch und wir spielen keine Mundart um der Mundart willen. 

EAM eMag 90 Jahre Dark Vatter
90 Jahre EAM eMag Dark Vatter

Ich verstehe unsere Musik als Kunstform. Wenn wir damit der versteckten und vielleicht auch verpönten Mundart unserer Heimat ein bisschen mehr Öffentlichkeit verschaffen, ist das eher ein schöner Nebeneffekt. Ansonsten hoffe ich einfach, mit unserem Mundart-Sound und dem Wortwitz den Begriff Heimat nicht allein den Rechten zu überlassen. Das ist immer ein schmaler Grat, aber natürlich, Heimat ist für alle da.

Viele eurer Lieder haben einen starken Lokalbezug. Wo findest du die Inspirationen für deine Texte?

Oftmals sind Kassel und die Umgebung nur die Leinwand für einen Song. Wichtiger ist es, eine gute Geschichte zu haben – wie das Lied vom Wels im Bühl zum Beispiel, von dem man eine Zeitlang immer gelesen hat, dass er riesengroß sei, den aber niemals jemand gesehen hat. Unser Ungeheuer vom Loch Ness gewissermaßen. Spannend ist für mich auch, Mundart und ernste Inhalte zusammenzubringen. Deswegen schreibe ich gerne mal ein Lied über das Leben als Paar, wo’s knirscht, und wir haben eine Mörderballade im Programm, die im Firnsbachtal spielt, oder auf dem aktuellen Album ist ein Stück über das Sterben: „De Veilchen“. Wenn man deutsche Musik macht, ist man gezwungen, einen guten Text zu machen, sonst steht man nackt da. 

Sollte man das also verstehen, was du singst?

Bei unseren Konzerten gibt es die Leute, die singen ab der ersten Strophe mit. Und die anderen, die hinterher kommen und sagen, ich habe das nicht richtig verstanden. Das macht nichts. Deswegen liegen unseren CDs immer Textheftchen bei. Nebenbei: Bei Musikern, die Englisch singen, wird sich übrigens selten darüber beschwert, dass man etwas nicht versteht.

Radikal regional ist das Konzept von Dark Vatter, was Auftritte angeht. Reizt es nicht manchmal doch, diese Grenzen des musikalischen Wirkungsfeldes zu überschreiten?

Ich finde das ganz gemütlich, hier in der Gegend herumzutouren. Den großen Erfolgsdruck will ich gar nicht haben. Lieber bin ich frei in meinem Schaffen und kann neue Lieder schreiben, wann sie mir einfallen, ohne Stress.

Was war euer außergewöhnlichster Auftritt?

Wir hatten viele außergewöhnliche Konzerte. Besonders finde ich, ist es, in einer Kirche aufzutreten, wo dann der Altar für die Gesangsanlage zur Seite geräumt wird. Bei dem Auftritt in einer Baunataler Kirche habe ich als Vatter die Leute auch prompt mit „Liebe Gemeinde“ angesprochen. Wir haben außerdem in Wehlheiden im Gefängnis gespielt und einen unserer ersten Auftritte hatten wir bei einer Weihnachtsfeier für die Nonnen im Diakonissenhaus. Daran kann ich mich noch gut erinnern, wir waren nur zu zweit, Ollie, unser Kontrabassist, und ich. Für uns war das ganz neu, weil das Programm ja auch noch neu war, aber die Diakonissen hatten eine Menge Spaß. 

Eure Musik zieht bei Menschen von 8 bis 80 und das seit fast zehn Jahren ....

Genauso ist es. Im Moment arbeiten wir an unserem neuen Album für unser 10-Jähriges im nächsten Jahr. Wir haben eine enorme Bandbreite vor der Bühne, tatsächlich. Das finde ich super.

Hast du eine Erklärung dafür?

Keine Ahnung. Wir sind einfach gut.

Mehr Information zu Dark Vatter findet ihr unter: